Alle reden über KI-Agenten. Jeder zweite LinkedIn-Post verspricht dir, dass du 2026 dein komplettes Business automatisieren kannst. Ein Agent für Kundenakquise, einer für Content, einer für Buchhaltung. Du lehnst dich zurück und das Geld kommt von allein.
Klingt bekannt? Erinnert mich an die Versprechen der Coaching-Blase, die ich schon auseinandergenommen habe. Anderes Thema, gleiches Muster: Ein komplexes Werkzeug wird als Abkürzung verkauft.
Zeit, das Thema KI-Agenten mal nüchtern zu betrachten.
Was ein KI-Agent wirklich ist
Ein KI-Agent ist im Kern eine Software, die eigenständig Entscheidungen trifft und Aktionen ausführt. Nicht du gibst jeden Schritt vor, der Agent entscheidet selbst, welche Schritte nötig sind, um ein Ziel zu erreichen.
Ein Beispiel: Du sagst einem Agenten „Finde mir die günstigsten Flüge nach Lissabon im März und trag die besten drei Optionen in meine Tabelle ein.“ Der Agent sucht, vergleicht, filtert und trägt ein. Du hast nicht jeden Klick vorgegeben. Das ist der Unterschied zu einem normalen ChatGPT-Prompt.
Klingt nach Zukunft. Ist es teilweise auch schon. Aber eben nur teilweise.
Wo die Versprechen aufhören und die Realität anfängt
Das Problem ist nicht die Technologie. Das Problem ist, was daraus gemacht wird.
Ein KI-Agent, der für dich arbeiten soll, braucht Kontext. Er muss wissen, wer deine Kunden sind, wie du kommunizierst, was du letzte Woche besprochen hast. Ohne Gedächtnis kein Agent. Und Gedächtnis bedeutet: Daten speichern. Deine Daten. Irgendwo auf einem Server.
Für Unternehmen mit IT-Abteilung und Datenschutzbeauftragtem ist das lösbar. Für Solopreneure und kleine Teams wird es schnell heikel. Du gibst einem System Zugriff auf deine Kundenkommunikation, deine Verträge, deine Strategie und hoffst, dass damit verantwortungsvoll umgegangen wird.
Ich sage nicht, dass das grundsätzlich falsch ist. Ich sage: Die meisten, die dir KI-Agenten verkaufen wollen, reden nicht darüber.
Warum ich einen anderen Weg gehe
Ich nutze KI intensiv. Täglich. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich lieber fokussierte Werkzeuge baue als auf den perfekten Agenten zu warten.
Mein erstes eigenes Tool entstand aus Frust: Zu viele KI-Produkte getestet, die nicht halten was sie versprechen. Statt weiter zu meckern, habe ich selbst etwas gebaut. Aktuell arbeite ich an meinem zweiten Tool. Anderes Problem, gleiches Prinzip: Ein konkretes Problem, eine fokussierte Lösung, keine Datenspeicherung. Was rein geht, wird verarbeitet und ist danach weg. Kein Gedächtnis, keine Profile, keine Cloud voller persönlicher Daten.
Ist das ein KI-Agent? Nein. Und genau das ist der Punkt.
Werkzeug gegen Agent, eine bewusste Entscheidung
Ein Werkzeug macht genau eine Sache und die macht es gut. Du behältst die Kontrolle. Du entscheidest, was reingeht und was rauskommt.
Ein Agent übernimmt Entscheidungen für dich. Das kann hilfreich sein, wenn du dem System vertraust und die Konsequenzen verstehst.
Beides hat seine Berechtigung. Aber gerade für Solopreneure, die am Anfang stehen: Bevor du 200 Euro im Monat für einen KI-Agenten ausgibst, der dein Marketing automatisieren soll, frag dich, ob du dein Marketing überhaupt verstanden hast. Automatisierung von etwas, das du nicht verstehst, ergibt automatisierten Müll.
Wer sich von Selbstoptimierungs-Versprechen hat blenden lassen, kennt dieses Muster bereits aus einer anderen Richtung. Ich habe es hier beschrieben. Die Technik ist nie das Problem. Das fehlende Verständnis dahinter ist es.
Was bedeutet das konkret für dich?
Wenn du überlegst, KI-Agenten einzusetzen, stell dir drei Fragen.
Erstens: Welches konkrete Problem soll gelöst werden? Nicht „alles automatisieren“, sondern ein spezifischer Engpass. Wenn du den nicht benennen kannst, brauchst du keinen Agenten. Du brauchst Klarheit.
Zweitens: Welche Daten müsstest du dafür freigeben? Und bist du damit einverstanden? Lies die Datenschutzbestimmungen. Ja, wirklich lesen. Nicht nur akzeptieren.
Drittens: Könntest du das Problem auch mit einem einfacheren Werkzeug lösen? Manchmal ist ein spezialisiertes Tool für 79 Euro im Jahr die bessere Lösung als ein Agent-Abo für 50 Euro im Monat, das die Hälfte der versprochenen Features nicht liefert.
Fazit:
KI-Agenten funktionieren. In definierten Bereichen, mit klaren Grenzen, bei bewusstem Umgang mit den eigenen Daten.
Aber sie sind kein Ersatz für eigenes Denken, eigene Strategie und eigenes Handwerk. Wer das behauptet, will dir etwas verkaufen.
Ich baue lieber selbst. Nicht weil ich Agenten ablehne, sondern weil ich genau weiß, was ich brauche und was nicht. Diesen Weg dokumentiere ich hier. Wer ähnlich tickt, ist eingeladen mitzulesen.
Du hast Fragen zum Thema oder willst wissen, wie ich KI konkret in meinem Alltag einsetze? Schreib mir, ich freue mich über den Austausch.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
1. Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Agenten und einem KI-Tool?
Ein Tool führt eine spezifische Aufgabe aus: Text kürzen, Bild erstellen, Daten auswerten. Ein KI-Agent entscheidet selbst, welche Schritte nötig sind, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Der Agent handelt, das Tool antwortet.
2. Sind KI-Agenten für Solopreneure geeignet?
Bedingt. Dort wo der Kontext klar definiert ist und keine sensiblen Kundendaten involviert sind, ja. Für komplexe Workflows mit persönlichen oder geschäftlichen Daten braucht es Sorgfalt beim Anbieter und klare Datenschutzregelungen.
3. Warum eigene KI-Tools bauen statt fertige Agenten nutzen?
Weil fokussierte Lösungen präziser, günstiger und datenschutzfreundlicher sind als generische Plattformen. Wenn du ein konkretes Problem lösen willst, brauchst du kein Abo für hundert Features, das du nie nutzt.
4. Was brauche ich, bevor ich einen KI-Agenten einsetze?
Klarheit über das konkrete Problem, das gelöst werden soll. Falls du das nicht benennen kannst, wirst du mit einem Agenten genauso verloren sein wie ohne.
