11. Dezember 2025. Mein Abteilungsleiter sagt zu mir: „Kollegen haben mir erzählt, dass du ein Buch geschrieben hast. Ich habe es mir bestellt.“
Ich bin überrascht. Welche Kollegen? Niemand hat mich darauf angesprochen.
Am 29. August habe ich es veröffentlicht. 105 Tage her. Keine Launch-Aktion. Keine Rezensions-Kampagne. Keine bezahlte Werbung.
Nur zwei bis drei Facebook-Posts. Ein paar Instagram-Beiträge.
Und jetzt, über drei Monate später, reden Kollegen darüber, ohne mit mir zu sprechen. Sie erzählen es weiter, aber fragen mich nicht direkt.
Gleichzeitig sehe ich: Drei Verkäufe im Dezember. Direkt über Amazon.
Das ist organischer Traffic in Reinform. Still. Unsichtbar. Aber wirksam.
In diesem Beitrag erfährst du, warum mein Buch keinen Launch brauchte und warum Geduld oft unterschätzt wird.
Warum ich das Buch überhaupt geschrieben habe
Mein Buch „Aufgeben? Keine Option!“ war nie als Marketing-Projekt gedacht.
Es war mein Befreiungsschlag.
In den letzten Jahren habe ich viel erlebt. Berufliche Krisen, persönliche Verluste, gesundheitliche Herausforderungen. Aus ein paar Notizen wurde ein Manuskript. Aus dem Manuskript wurde ein Buch.
ch wollte keine Bestseller-Listen erobern. Schnelle Verkäufe oder maximale Reichweite waren nie mein Ziel. Was ich wollte: Es endlich in den Händen halten. Einen Abschluss zu finden. Mich zu trauen, es zu veröffentlichen.
Das Buch zu schreiben war bereits der Erfolg. Alles danach, ein Bonus.
In meinem Jahresrückblick 2025 habe ich darüber geschrieben, was ich in diesem Jahr alles umgesetzt habe: Website, Buch, digitales Produkt, wöchentliche Blogartikel.
Warum es keine Launch-Aktion gab
Viele Autoren machen große Launch-Aktionen: Kostenlose Exemplare an hunderte Menschen, Rezensions-Kampagnen, Launch-Teams, Bestseller-Aktionen in speziellen Amazon-Kategorien.
Aber eine Launch-Aktion macht nur Sinn, wenn du die Reichweite dafür hast. Wenn du online bekannt bist. Wenn Menschen auf dich warten.
Ich hatte das alles nicht. Mich kannte keiner. Warum also eine Launch-Aktion machen, wenn niemand zuschaut?
Als mein Manuskript fertig war, stand ich vor der Frage: Wo finden Leute Informationen zu mir, wenn sie mein Buch gelesen haben? Ich hatte keine eigene Website. Nur Facebook und Instagram, das reichte mir nicht.
Also habe ich zuerst meine digitale Visitenkarte aufgebaut. Dort stelle ich mich vor: Wer ich bin, warum ich das mache, meine Blogartikel und mein Buch.
Erst als diese Grundlage stand, habe ich im August 2025 mein Buch bei Amazon KDP veröffentlicht. Ein paar Facebook-Posts, ein paar Instagram-Beiträge. Fünf bis sechs Exemplare an enge Freunde verschenkt. Das war’s.
Organischer Traffic – wie Information sich heute verbreitet
Du veröffentlichst etwas auf Facebook, Instagram oder einer anderen Plattform. Vielleicht bekommst du ein paar Likes. Vielleicht einen Kommentar. Vielleicht wird dein Beitrag sogar geteilt. Oder es passiert gar nichts Sichtbares.
Aber egal, wie viel Reaktion du siehst, die Information verbreitet sich trotzdem.
Früher nannte man das Mund-zu-Mund-Propaganda. Jemand erzählt es jemandem, der es weitererzählt. Die Information wandert von Person zu Person, ohne dass du es mitbekommst.
Heute heißt das organischer Traffic, weil es online passiert. Menschen sehen deinen Post, lesen ihn, nehmen die Information auf und geben sie weiter. Digital oder analog. Über einen Screenshot, ein Gespräch oder einfach eine Erwähnung.
Du siehst vielleicht eine kleine Reaktion. Oder gar keine. Aber die Information ist trotzdem unterwegs.
Genau das ist bei meinem Buch passiert. Irgendwo haben Kollegen gesehen, dass ich ein Buch veröffentlicht habe. Sie haben nicht reagiert, nicht kommentiert. Aber sie haben es weitererzählt. Bis es bei meinem Chef ankam.
105 Tage von der Veröffentlichung bis zu den ersten messbaren Erfolgen.
Das Prinzip ist dasselbe wie früher, nur die Kanäle haben sich geändert
Was das über organischen Traffic aussagt
Organischer Traffic funktioniert anders, als die meisten denken. Drei Dinge habe ich in den vergangenen 3,5 Monaten erfahren:
1. Es braucht Zeit
Google braucht Monate, um neue Inhalte zu ranken. Social-Media-Algorithmen spielen Beiträge langsam aus. Amazon-SEO wirkt nicht über Nacht. Und Mundpropaganda, egal ob analog oder digital, verbreitet sich nicht in Tagen, sondern in Wochen.
3,5 Monate bis zum ersten messbaren Erfolg. Das ist nicht die Ausnahme, das ist normal.
Die meisten geben aber viel früher auf. Nach vier Wochen ohne Verkäufe kommen die ersten Zweifel. Nach acht Wochen der Gedanke: „Es funktioniert nicht.“ Nach zwölf Wochen ist Schluss, entweder sie geben auf oder investieren in Werbung.
Auch bei mir: Zwölf Wochen Stille. Keine Verkäufe, keine Reaktion. Aber die Wahrheit ist: Du musst Ruhe bewahren. Geduld haben, auch wenn es schwerfällt. Denn genau in dem Moment, in dem du aufgeben willst, bist du oft am nächsten dran. Bei mir kamen die ersten Verkäufe in Woche 15. Der Unterschied? Ich habe nicht aufgegeben.
In meinem Artikel Warum die meisten Online-Business-Kurse dich nicht erfolgreich machen gehe ich darauf ein, warum viele zu früh aufgeben und unrealistischen Versprechen glauben.
2. Du siehst nicht, was passiert
Keine Likes, keine Kommentare, keine sichtbare Reaktion. Das Gefühl: „Niemand interessiert sich.“
Die Realität: Meine Kollegen haben mein Buch gefunden. Sie haben nicht auf meinen Posts reagiert. Sie haben still konsumiert und es dann weitererzählt.
Keine sichtbare Reaktion bedeutet nicht kein Erfolg. Es bedeutet nur: Du siehst es nicht.
3. Tracking ist oft unmöglich
Direkte Amazon-Käufe? Kein Tracking. Google-Suchen? Kein Tracking. Mundpropaganda? Kein Tracking.
Marketing-Gurus sagen: „Du musst alles messen!“
Doch in der Realität lässt sich nicht alles messen. Und das ist okay. Hauptsache, es funktioniert.
Warum ich keine Werbung schalte?
Die Frage ist berechtigt: Wenn dich niemand kennt, musst du doch Werbung schalten. Sonst weiß ja keiner, dass es dein Buch gibt.
Stimmt. Aber: Rechnet sich das?
Schauen wir uns Amazon Ads an, die naheliegendste Werbeform für ein Buch, das bei Amazon verkauft wird.
Die nackten Zahlen
Meine Marge:
- Hardcover: 5,05€ pro Verkauf
Realistischer Klickpreis bei Amazon Ads: 0,30€ – 0,80€
Realistische Conversion bei Büchern: 2-5% (Anfänger eher unten)
Die Rechnung:
- 100 Klicks × 0,50€ = 50€ Werbekosten
- 2-5 Verkäufe daraus
- Erlös: 10€ – 25€
- Ergebnis: klarer Verlust
Um Break-even zu sein, bedarf es extrem günstiger Klickpreise oder einer Conversion, die für unbekannte Autoren unrealistisch ist.
Werbung ersetzt keine Nachfrage
Amazon Ads funktionieren gut, wenn:
- das Buch bereits verkauft wird
- Rezensionen vorhanden sind
- das Thema aktiv gesucht wird
Bei mir ist das Buch kein Massenmarkt-Produkt, sondern ein bewusst positionierter Titel. Werbung kann Interesse verstärken, aber keines erzeugen, das nicht da ist.
Werbung heißt: Lehrgeld
Amazon Ads sind kein „Schalter an = Verkäufe“. Das bedeutet:
- Keyword-Recherche
- Kampagnenstruktur
- Gebotslogik
- Auswertung
- Optimierung
Realistisch verbrennen Einsteiger 100€ – 500€, bevor sie überhaupt verstehen, was passiert.
Dieses Geld investiere ich aktuell lieber in Inhalte, Reichweite und Klarheit.
Mein Buch ist kein Performance-Produkt
Ich habe das Buch nicht geschrieben für Launch-Hype, Bestseller-Listen oder aggressive Skalierung.
Sondern als inhaltliche Positionierung, Substanz und langfristigen Referenzpunkt.
Dafür ist organische Sichtbarkeit sinnvoller als bezahlter Traffic.
Wann Werbung Sinn macht
Nicht „nie“. Aber später, wenn:
- regelmäßig Verkäufe kommen
- Rezensionen vorhanden sind
- klar ist, wer das Buch kauft und warum
- Werbung nicht mehr raten, sondern verstärken soll
Ich schalte keine Werbung, weil sie sich aktuell nicht rechnet, sie keine Nachfrage ersetzt, sie mehr Fokus kostet als sie bringt und mein Buch nicht als Ads-Produkt gedacht ist.
Was ich stattdessen mache
Statt Werbung setze ich auf organische Reichweite. Das bedeutet: Ich investiere Zeit statt Geld.
Meine Website ist das Fundament. Dort veröffentliche ich wöchentlich Blogartikel, optimiert für Suchmaschinen (SEO) und KI-Suchmaschinen (AEO – Answer Engine Optimization). Das bedeutet: Meine Artikel sind so strukturiert, dass sie nicht nur bei Google ranken, sondern auch von KI-Suchmaschinen wie Perplexity, ChatGPT oder Gemini gefunden werden. Ich habe dazu auch einen eigenen Artikel über Answer Engine Optimization geschrieben.
Ich verlinke intern, baue Struktur auf und sorge dafür, dass meine Inhalte gefunden werden.
Bei Amazon habe ich Keywords im Buchtitel platziert, die Kategorien optimiert und arbeite daran, nach und nach Rezensionen zu bekommen. Das dauert, aber es kostet nichts außer Geduld.
Auf Social Media bin ich präsent, aber nicht täglich. Ich poste nicht ständig über mein Buch, sondern liefere Mehrwert. Die Links führen zur Website, nicht direkt zu Amazon.
Der entscheidende Faktor ist Geduld. Organischer Traffic braucht Monate. Aber er ist nachhaltig. Und er kostet kein Werbebudget.
Fazit
Organischer Traffic funktioniert. Das zeigen meine Verkäufe ohne Launch und ohne Werbung. Aber das erfordert Zeit und Geduld.
Wenn du schneller Reichweite aufbauen willst, musst du bezahlte Werbung schalten. Für mein Buch wären das Amazon Ads. Für mein digitales Produkt, den KI-Produktdetektiv, wären es Facebook Ads oder Google Ads.
Aber auch hier gilt: Werbung ist keine Instant-Lösung. Du brauchst ein gewisses Budget. Und du musst bereit sein, dich da reinzufinden, Kampagnen zu verstehen, zu testen, zu optimieren.
Ich habe mich bewusst für den organischen Weg entschieden. Nicht, weil Werbung nicht funktioniert, sondern weil sie sich für mein Buch aktuell nicht rechnet.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
1. Warum hast du keine Launch-Aktion für dein Buch gemacht?
Eine Launch-Aktion macht nur Sinn, wenn du bereits Reichweite hast. Wenn dich niemand kennt, bringt ein Launch nichts. Ich hatte keine bestehende Community, also habe ich erst meine Website aufgebaut, bevor ich das Buch veröffentlicht habe.
2. Wie kann ich mein eigenes Buch veröffentlichen?
Ich habe mein Buch über Amazon KDP (Kindle Direct Publishing) veröffentlicht, kostenlos und ohne Verlag. Mehr Infos: Amazon KDP.
3. Rechnet sich bezahlte Werbung für Bücher?
Das kommt auf deine Marge und Werbekosten an. Bei meinem Buch (11,99€, ~5€ Marge) zahle ich bei Amazon Ads drauf. Die Klickkosten sind höher als mein Gewinn pro Verkauf. Bei höheren Margen kann es sich durchaus rechnen.
4. Warum setzt du auf organische Sichtbarkeit statt auf bezahlten Traffic?
Weil echte Nachfrage Zeit braucht und bezahlter Traffic keine Substanz ersetzt.
5. Was ist für dich aktuell wichtiger als Buchverkäufe?
Reichweite, Vertrauen und Klarheit darüber, wer das Buch liest und warum.
