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Michael Laschitza

REALTALK ı ECHT ı UNGEFILTERT

Second Brain für die KI: Endlich kommt sie an mein Wissen heran

Leder-Notizbücher auf einem Holzregal als Sinnbild für ein Second Brain

Ein Second Brain für die KI ist ein zentraler Wissensspeicher, auf den die KI direkt zugreift. Du musst ihr nichts mehr zusammensuchen, kopieren oder hochladen. Die Idee ist nicht von mir. Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI, hat sie im April 2026 unter dem Namen LLM-Wiki beschrieben: Die KI pflegt das Wissen, der Mensch entscheidet, was hineinkommt, und stellt die Fragen. Seitdem redet die halbe Tech-Welt darüber. Ich nenne meins Jarvis. Seit Ende September 2026 läuft es.

Mein eigener Weg dahin begann viel früher. Ein Second Brain war schon lange meine Vision, nur ging es damals gar nicht um KI. Ich wollte einfach einen zentralen Ort für meine Notizen, an dem alles zusammenläuft.


Was ich alles ausprobiert habe

AudioPen, Reflect, Notion mit gekaufter Vorlage, Apple Notizen, Evernote, Kalender- und Aufgaben-Apps. Jedes Tool hat seine Stärken, das will ich nicht kleinreden. Aber jedes konnte nur einen Teil. So kamen mit der Zeit immer mehr Apps dazu, und meine Notizen lagen verstreut. Wenn ich etwas brauchte, musste ich suchen. In welcher App lag das noch mal?

Eine gekaufte Second Brain Vorlage für Notion sollte das 2024 lösen. Inbox, Projekte, Aufgaben, Wissen, Bereiche, Tagebuch. Klang perfekt. War es auch. Für Notion. Ich war mehr damit beschäftigt, das System zu pflegen, als etwas hineinzuschreiben.


Dann kam die KI dazu

Mit der KI kam ein neues Problem. Für jedes Projekt ein neuer Chat. Die Chats wurden immer länger, irgendwann ging es nicht mehr, und ich fing von vorne an. Was ich erarbeitet hatte, nahm ich per Chatzusammenfassung in den nächsten Chat mit. Das funktioniert. Aber es ist Handarbeit.

Und an meine Notizen auf dem Handy und dem Computer kam die KI gar nicht heran. Alles, was ich dort gesammelt hatte, blieb für sie unsichtbar. Wollte ich es nutzen, musste ich es erst selbst suchen und der KI vorlegen. Hineinkopieren, in die Projektanweisung schreiben oder als Datei hochladen.

Dazu kam etwas, das mich besonders gestört hat: Gute Anregungen verschwanden. Eine Idee aus einem Newsletter, ein Gedanke mitten in einem langen Chat. Wochen später wusste ich noch, dass es da etwas gab. Aber nicht mehr, wo.

Im Frühjahr 2026 habe ich NotebookLM als eine Art Second Brain genutzt. Das hat mich aus einem anderen Grund nicht überzeugt. Es ist ein geschlossenes System. Was einmal drin ist, bekomme ich nicht wieder heraus. Für mein Second Brain ist das nicht zielführend.


Was ich eigentlich wollte

Der Wunsch war alt und eigentlich simpel. Ich spreche, und im Hintergrund wird alles an die richtige Stelle sortiert. Kein Formular, keine Vorlage, die ich pflegen muss.

Ein paar Dinge waren mir dabei wichtig:

Alles an einem Ort. Egal, was es ist. Nicht mehr fünf Apps durchsuchen.

Es muss vom Handy aus gehen. Ich verbringe über 80 Prozent meines Tages am Handy. Eine Lösung, für die ich erst den Laptop aufklappen muss, nutze ich nicht.

Ich will mein Wissen selbst sehen können. Nicht nur über die KI. Wissen zu speichern, das ich selbst nie anschauen kann, ergibt für mich keinen Sinn.

Meine Daten bleiben meine. Kein geschlossenes System, aus dem ich nicht mehr herauskomme.

Kein teures Abo und kein Gefrickel. Ich wollte eine professionelle Lösung, keine Bastelei, die nach zwei Wochen wieder einschläft.


Warum mein Second Brain Jarvis heißt

Tony Stark hatte Jarvis. Er stieg in den Anzug, sagte einen einzigen Satz, und Jarvis wusste Bescheid. Im Labor, im Auto, mitten im Flug auf 10.000 Metern Höhe. Jarvis vergaß nie etwas. Jarvis ordnete alles. Jarvis war einfach da.

Wir saßen im Kino und dachten: coole Science-Fiction.

Ist es längst nicht mehr. Na gut, fliegen kann meiner nicht, und einen Anzug aus Titan habe ich auch nicht. Aber was nützt mir ein Jarvis, der im Labor feststeckt, während ich draußen unterwegs bin? Meiner muss mit. Ins Auto, zwischen zwei Termine, überallhin, wo mir ein Gedanke kommt.

Genau das wollte ich haben. Also habe ich es mir gebaut. Und ja, natürlich heißt er Jarvis.


Ausmisten vor dem Start

Bevor Jarvis lief, habe ich aufgeräumt. Die verstreuten Notizen durchgesehen, Dubletten raus, Veraltetes raus. Die KI hat dabei geholfen zu prüfen, was noch stimmt.

Dabei habe ich mir eine einfache Regel gesetzt: Was ich später noch brauche, kommt als Wissen in Jarvis. Der Rest wird gelöscht. Allgemeinwissen, das ich jederzeit im Netz finde, muss ich nicht speichern. Dokumente wie Verträge oder Scans bleiben, wo sie sind. Jarvis ist für Wissen da, nicht für Papierkram.

Das hat Zeit gekostet, aber es musste sein. Ein Second Brain, das mit altem Ballast startet, arbeitet gegen dich.


Was sich seitdem verändert hat

Ich spreche Jarvis vom Handy aus an. „Leg das ab“ oder „such mir alles zu X“, und es passiert. Die Anregung aus einem Newsletter ist jetzt eine Notiz, die ich auch Wochen später per Stichwort wiederfinde.

Die KI greift im Chat direkt auf Jarvis zu. Ich muss nichts mehr suchen, kopieren oder hochladen. Wenn mir unterwegs ein Thema für den Blog einfällt, sage ich es, und es landet direkt bei MAX, dem Agenten, der meine Blogartikel schreibt.

Wie wichtig das ist, habe ich an einem Entwurf gemerkt. Ich habe ihn gegen meine eigenen Notizen geprüft, und dabei fiel auf, dass sich Formulierungen eingeschlichen hatten, die nicht von mir stammten. Erfundenes, das plausibel klang. Aufgefallen ist es, weil es etwas gab, woran ich es messen konnte. Genau das hat die KI jetzt auch: einen Anker.

So ist Jarvis aufgebaut

Die Werkzeuge sind kein Geheimnis: Claude als KI und Obsidian als Oberfläche für das LLM-Wiki. Gebaut habe ich das Ganze mit Claude Code.

Karpathy beschreibt sein LLM-Wiki in drei Schichten: die Rohquellen, also Artikel und Studien, die die KI liest, aber nie verändert. Darüber das Wiki selbst, das die KI schreibt und pflegt. Und eine Regeldatei, die festlegt, wie gearbeitet wird. Bei mir kommt das meiste aus meinem Kopf, per Sprache vom Handy. Rohquellen lege ich deshalb nur gezielt ab, wenn eine Notiz auf einem fremden Text aufbaut. So kann ich jederzeit nachprüfen, woher eine Aussage stammt. Dokumente wie Verträge oder Scans bleiben, wo sie sind.

Jarvis besteht ausschließlich aus Markdown-Dateien, sortiert in Ordnern: Business, Beruf, Privat und Rohquellen. Dazu ein eigener Ordner für meine Agenten. Was die KI nicht eindeutig zuordnen kann, landet in einem Eingang, und sie fragt mich, wohin es gehört. Offene Aufgaben stehen auf einer einzigen Liste. Und eine Regeldatei legt fest, wie abgelegt wird. Die erweitere ich, sobald es nötig wird.

Der übliche Weg sieht so aus: Die Notizen liegen auf dem eigenen Computer, Obsidian zeigt sie an, und die KI arbeitet am Schreibtisch damit. So hat es auch Karpathy beschrieben. Das funktioniert, solange du am Schreibtisch sitzt.

Bei mir liegen die Dateien auf meinem eigenen Server und werden jeden Tag verschlüsselt gesichert. Claude greift über eine direkte Verbindung darauf zu, lesend und schreibend. Technisch ist das ein eigener Connector, den ich in der Claude-App eingerichtet habe. Deshalb steuere ich Jarvis aus der Claude-App auf dem Handy, egal wo ich bin. Und mit Obsidian auf dem iPhone sehe ich mein Wissen selbst, Ordner für Ordner, auch ganz ohne KI.

Das ist für mich der wichtigste Punkt: Meine Daten gehören mir. Markdown ist ein offenes Format, das jedes Programm und jedes KI-Modell lesen kann. Wechsle ich morgen den Anbieter, kommt mein Wissen mit.

Einmal im Monat prüft das System automatisch, ob sich Notizen doppeln oder widersprechen, und meldet sich bei mir. Ich will so etwas nicht erst Monate später zufällig entdecken.


Nicht nur die KI im Chat greift zu

Jarvis ist nicht nur mein Gedächtnis. Er ist auch das meiner Agenten. MIKE sucht die Themen, wenn ich keine vorgebe, LISA kümmert sich um die Website, MAX schreibt die Blogartikel, PAUL macht das Marketing. Alle vier holen sich Stil, Design und Fakten aus Jarvis.

Das hat einen einfachen Vorteil: Ändere ich etwas, ändere ich es an einer Stelle. Neue Stilregel, neue Zahl, neues Produkt. Ich trage es einmal in Jarvis ein, und alle Agenten arbeiten ab dann damit.

Dabei sehen die Agenten nur den Teil, den ich ausdrücklich freigebe, und sie können darin nur lesen, nichts verändern. Was privat ist, bleibt privat. Und was in Jarvis steht, entscheide immer noch ich.


Was ein Second Brain für die KI braucht

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Damit sie auch greifen, kommt es auf drei Dinge an.

Ein Ort statt fünf. Solange Wissen über mehrere Apps verteilt ist, suchst du. Oder die KI. Und beide finden nur einen Teil.

Nur aktuelles Wissen. Eine veraltete Notiz ist schlimmer als keine. Die KI hält sie für wahr und baut darauf auf. Deshalb keine Dubletten, keine Widersprüche, und eine regelmäßige Prüfung, ob sich etwas beißt. Ich will das nicht erst Monate später selbst entdecken.

Regeln, die mitwachsen. Meine größte Sorge war, dass ich bei vielen Notizen nichts mehr finde. Die Antwort darauf ist keine perfekte Struktur am ersten Tag, sondern klare Regeln, die ich erweitere, sobald es nötig wird.


Mein Zwischenfazit

Jarvis läuft seit Ende September. Mein Wissen liegt an einem Ort, und die KI kommt direkt heran.

Ein Teil fehlt noch. Tony Starks Jarvis konnte reden. Meiner hört bisher nur zu und schreibt mit. Daran arbeite ich als Nächstes.

Ein LLM-Wiki ist kein Spielzeug für Entwickler. Wer täglich mit KI arbeitet, profitiert davon. Fang bei der Frage an, was du der KI immer wieder mitgeben musst. Genau das gehört als Erstes hinein. Einen Anzug aus Titan brauchst du dafür nicht. Nur ein System, das Schritt hält.


Michael Laschitza
Seit 2021 nebenberuflich im Online-Business unterwegs. Sein Buch "Aufgeben? Keine Option!" war der Wendepunkt und der Startpunkt für einen kompletten Neuanfang. Seitdem schreibt er regelmäßig über Online-Marketing, KI-Agenten und Automatisierung, ungefiltert und aus der Praxis.

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