Ich habe diesen Satz gehasst. Richtig gehasst. Nicht, weil ich ein Pessimist bin oder Menschen ihre Träumen nicht gönne. Sondern weil ich gesehen habe, was er mit Menschen macht, die wirklich wollen und trotzdem scheitern.
„Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ klingt motivierend. Fühlt sich an wie eine warme Umarmung. Ist aber oft nichts anderes als eine perfide Form von Opfer-Täter-Umkehr, verpackt in Instagram-Ästhetik und Coaching-Sprech. Und das Schlimmste? Die Leute, die diesen Satz predigen, verdienen prächtig daran, dass du dich schlecht fühlst, wenn’s nicht klappt.
Besonders perfide wird’s in der Online-Marketing- und Coaching-Szene. Du investierst tausende Euro in Premium-Programme, setzt um, was dir gesagt wird und verdienst keinen Cent. Die Standard-Antwort? „Du hast dich halt nicht genug committed.“
Lass uns diesen Mythos auseinandernehmen.
Warum dieser Satz überall ist (und warum das kein Zufall ist)
Schau dir mal an, wer diesen Satz am lautesten rausposaunt: Self-Made-Millionäre im Online-Business (die zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren), Coaches mit hochpreisigen Premium-Programmen und Influencer, die dir „Manifestieren“ als Business-Strategie verkaufen.
Der Satz ist perfektes Marketing. Warum?
- Er macht dich verantwortlich, nicht das gesättigte Markt-Timing, nicht fehlende Ressourcen, nicht deine Lebensumstände. DICH.
- Er schafft Kaufdruck. „Wenn ich’s nicht schaffe, will ich wohl nicht genug. Vielleicht hilft ja das nächste Programm…“
- Er ist unfalsifizierbar. Erfolg gehabt? Na bitte, du musst nur wollen! Gescheitert? Tja, dann hast du dich wohl doch nicht genug committed.
Der Milliardenmarkt mit deinem schlechten Gewissen
Die Coaching- und Online-Business-Industrie ist Milliarden schwer. Und ihr Geschäftsmodell basiert darauf, dass du glaubst: Du bist das Problem. Und wir haben die Lösung.
Nicht die Tatsache, dass der Markt für „Online-Kurse zum Online-Kurse-Verkaufen“ hoffnungslos übersättigt ist. Nicht, dass du neben Vollzeitjob und Familie kaum Zeit hast. Nicht, dass du ohne Startkapital für Ads keine Reichweite bekommst.
Nein, du willst einfach nicht genug. Du hast dich nicht genug committed.
Du kennst die Sprüche: „Mach Netflix aus“, „Zwei Jahre Scheiße fressen, dann Champagner saufen“. Klingt nach Disziplin, ist aber oft nur Rechtfertigung dafür, dass das System nicht funktioniert.
Und weißt du was? Genau diese Schuldumkehr sorgt dafür, dass du beim nächsten Kurs wieder tausende Euro investierst. Denn diesmal, diesmal wirst du es richtig machen.
Die unbequeme Wahrheit: Drei Dinge, die „Wollen“ nicht ersetzt
Seien wir doch mal ehrlich? Wollen ist wichtig. Ohne intrinsische Motivation passiert wenig. Aber Wollen allein ist ungefähr so nützlich wie ein Ferrari ohne Benzin, Straße oder Führerschein.
Hier sind drei Dinge, die dein noch so starkes Wollen nicht ersetzen kann:
1. Ressourcen (Zeit, Geld, mentale Kapazität)
Szenario A:
Du bist Mitte 40. Zwei Kinder. Vollzeitjob. Partner arbeitet auch Vollzeit. Du willst dich mit Online-Marketing selbstständig machen. Du kaufst einen Kurs für 2.000€.
Der Kurs sagt: „Poste täglich auf drei Plattformen, mach zwei Webinare pro Woche, baue eine E-Mail-Liste auf, lerne Funnel-Building.“
Deine Realität:
Montag bis Freitag acht Stunden Job. Abends Kinder ins Bett bringen. Samstag Haushalt und Einkäufe. Sonntag bist du einfach platt.
Du schaffst vielleicht zwei bist drei Posts pro Woche. Kein Webinar. Keine Liste.
Ergebnis: Nach sechs Monaten: 0 Euro Umsatz.
Coaching-Antwort: „Du hast nicht committed. Andere schaffen’s doch auch.“
Beide „wollen“ gleich stark. Aber einer hat 40 Stunden pro Woche Zeit. Der andere fünf.
2. Timing und Marktsättigung (die niemand dir erzählt)
2015 mit Online-Kursen starten? Geile Idee.
2018 mit Coaching auf Instagram? Guter Move.
2024 mit dem 37.000sten „Werde Coach und verdiene 10k im Monat“-Programm? Viel Glück.
Der Markt ist brutal übersättigt. Nicht, weil die Leute nicht „genug wollen“. Sondern weil mathematisch nicht alle gleichzeitig erfolgreich sein können in einem Markt, der auf Verknappung (künstlich oder real) basiert.
Das hat nichts mit deinem Mindset zu tun. Das ist Marktlogik.
3. Die Illusion der „1:1 Umsetzung“
„Mach einfach, was ich dir sage, dann funktioniert’s.“
Klingt logisch. Ist es aber nicht.
Warum?
- Der Coach hatte vielleicht schon 50k Follower, als er startete (du hast 200)
- Der Coach hat ein Team (du bist alleine)
- Der Coach hatte Startkapital für Ads (du hast 500€ Budget)
- Der Coach ist in einer anderen Nische/Zeitzone/Zielgruppe unterwegs
1:1 umsetzen funktioniert nicht, wenn die Ausgangslage komplett unterschiedlich ist.
Und trotzdem heißt es: „Du hast halt nicht das gemacht, was ich dir gesagt habe.“
Die versteckte Ausbildung: Warum ein Kurs nie reicht (und niemand dir das vorher sagt)
Hier kommt die unbequeme Wahrheit, die dir kein Sales-Webinar erzählt: Du kaufst nicht einen Kurs. Du beginnst eine komplette Ausbildung die niemand so nennt und die dich leicht fünfstellig kosten wird.
Du denkst: „Ein Kurs“, du machst: Eine Ausbildung
So wird’s dir verkauft:
„In diesem acht-Wochen-Programm erfährst du alles, was du brauchst, um mit Online-Marketing erfolgreich zu sein.“
Die Realität:
Kurs 1: E-Mail-Marketing (1.500€)
„Baue eine E-Mail-Liste auf und verkaufe darüber.“
Klingt logisch. Du kaufst. Du lernst.
Dann merkst du: Ohne Reichweite keine E-Mail-Liste.
Kurs 2: Google Ads (800€)
„Lerne, wie du gezielt Traffic einkaufst.“
Du kaufst. Du lernst. Du schaltest Ads.
Dann merkst du: Deine Landing Page konvertiert nicht.
Kurs 3: Funnel-Building (900€)
„Baue hochkonvertierende Verkaufs-Funnels.“
Du kaufst. Du baust. Keiner kauft.
Kurs 4: Copywriting (2.500€)
„Lerne, Texte zu schreiben, die verkaufen.“
Du kaufst. Du schreibst. Immer noch nix.
Ergebnis nach zwölf Monaten:
- Ausgaben: 5.700€ nur für Kurse
- Umsatz: Vielleicht 500€
Und dann kommt die Frage: „Warum funktioniert’s nicht?“
Antwort: „Du hast dich nicht genug committed.“
Die Kosten-Spirale: Kurse + Tools + Ads
Aber es sind ja nicht nur die Kurse. Es kommen die laufenden Kosten dazu:
Tools (monatlich):
- E-Mail-Marketing-Tool: 50€
- Funnel-Builder: 80€
- Hosting & Domain: 20€
- = 150€/Monat = 1.800€/Jahr
Werbebudget:
- Google Ads: 10€/Tag = 300€/Monat = 3.600€/Jahr
- Facebook Ads: Noch mal 200€/Monat = 2.400€/Jahr
Zwischenbilanz nach zwölf Monaten:
- Kurse: 5.700€
- Tools: 1.800€
- Ads: 6.000€
- TOTAL: 13.500€
Und das ist konservativ gerechnet.
Aber niemand sagt dir das vorher.
Stattdessen heißt es: „Investiere in dich!“ als wäre das ein einmaliger 1.000€-Kurs.
Warum du trotzdem weitermachst (und das ist das Perfide)
Jetzt fragst du dich vielleicht: „Warum machen Menschen das mit?“
Ganz einfach:
1. Es ist nicht alles falsch
Du lernst ja wirklich was. E-Mail-Marketing funktioniert. Copywriting ist wichtig. Ads können klappen.
2. Es ist alles Neuland und deshalb interessant
Du hattest dich nie mit Funnels beschäftigt. Oder mit Conversion-Optimierung. Das ist spannend!
3. Du vertraust dem Verkäufer
Der Coach, der dir den ersten Kurs verkauft hat, war überzeugend. Also vertraust du ihm auch beim zweiten. Und dritten.
4. „Diesmal wird’s klappen“
Jeder Kurs verspricht: „JETZT hast du das fehlende Puzzleteil.“ Und du willst es glauben.
5. Sunk Cost Fallacy
„Ich habe schon 8.000€ investiert. Jetzt kann ich nicht aufhören.“
Das ist keine Dummheit. Das ist menschlich.
Aber es ist auch der Mechanismus, mit dem die Industrie Milliarden verdient.
Was dieser Mythos mit Menschen macht
Jetzt wird’s ernst. Denn dieser harmlos klingende Satz richtet echten Schaden an.
Opfer-Täter-Umkehr: „Dann willst du es wohl nicht genug“
Kennst du diese Stimme im Kopf?
„Andere schaffen’s doch auch.“
„Vielleicht bin ich einfach zu faul.“
„Wenn ich wirklich wollte, würde ich mehr Disziplin haben.“
„Der Coach hat mir doch alles gesagt. Ich hab’s nur nicht umgesetzt.“
Das ist kein gesunder Antrieb. Das ist internalisierte Schuldzuweisung. Eine Form von toxischer Positivität.
Und wenn Coaches, Gurus oder Mastermind-Leiter dir erzählen, du seist selbst schuld an deinem Scheitern, dann verkaufen sie dir im nächsten Satz das nächste Programm. Praktisch, oder?
Der stille Burnout der „Nicht-genug-Committer“
Ich kenne Menschen, die sich kaputtgemacht haben, weil sie glaubten: „Wenn ich schon scheitere, dann wenigstens mit allem, was ich habe.“
Die Folge?
- Burnout mit Mitte 30
- Beziehungen, die unter dem Druck zerbrechen
- Schlafstörungen, weil du nachts grübelst: „Warum klappt’s bei mir nicht?“
Und weißt du, was das Perverse ist? Selbst dann sagen diese Leute oft: „Ich hab mich wohl einfach nicht genug committed.“
Das ist keine Motivation mehr. Das ist emotionale Selbstverstümmelung.
Die Rechnung, über die niemand spricht: Was gescheiterte Investments wirklich kosten
Jetzt kommt der Teil, den die Coaching-Bubble komplett ausblendet. Die realen Kosten von „Investiere in dich!“.
10.000€ sind nicht „nur“ 10.000€
Du investierst über 12-18 Monate vielleicht 10.000-15.000 Euro in Kurse, Tools und Ads. „Investiere in dich!“ heißt es. „Das Geld kommt zigfach zurück!“
18 Monate später:
- Umsatz: 1.500€ (wenn’s gut läuft)
- Ausgaben: 12.000€
- Netto: -10.500€
Das Geld fehlt jetzt für:
- Den Familienurlaub, den du verschoben hast
- Die Reparaturen, die anstehen
- Die Rücklage fürs Kind
- Die Sicherheit, die du eigentlich wolltest
10.000 Euro sind nicht abstrakt. Das sind Opportunitätskosten. Das ist Geld, das jetzt woanders fehlt.
Die gut gemeinte Hölle: Wenn du es für alle wolltest und jetzt alleine dastehst
Und hier wird’s richtig bitter.
Dein Traum war:
- Nebenbei was aufbauen
- Mehr Geld verdienen
- Mehr Zeit für die Familie haben
- Allen ein besseres Leben ermöglichen
Du wolltest es ja nicht nur für dich. Du wolltest, dass alle davon profitieren.
Also hast du:
- Auf Netflix verzichtet (während andere entspannt haben)
- Abends am Laptop gesessen (während die Familie zusammen war)
- Wochenenden geopfert (während Freunde feiern waren)
- Tausende Euro investiert (die woanders fehlten)
Du hast ALLES gemacht, was dir dein Coach oder Mentor gesagt hat.
Und dann: Nichts. Kein Geld auf dem Konto. Kein Erfolg. Keine Kunden.
Jetzt hast du zwei Stimmen im Kopf:
Die innere Stimme:
„Vielleicht hab ich’s doch nicht richtig gemacht.“
„Andere schaffen’s doch auch.“
„Ich hab mich wohl nicht genug committet.“
Die äußere Stimme (Familie/Partner):
„Ich hab’s dir doch gesagt.“
„Wann hört das auf?“
„Wir hatten das Geld für was anderes gebraucht.“
„Wofür war das jetzt alles?“
Das Perfide: Du kannst nicht mal sauer sein
Und jetzt kommt der emotionale Supergau:
Du kannst nicht mal sauer auf deine Familie sein.
Weil:
- Sie haben dich gewarnt
- Sie haben Recht
- Das Geld fehlt wirklich
- Du hast sie vernachlässigt
Du wolltest es doch gut!
Du wolltest, dass alle davon profitieren. Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Freiheit für die ganze Familie.
Aber jetzt stehst du da:
- Mit weniger Geld als vorher
- Mit Schuldgefühlen (dir selbst gegenüber UND der Familie gegenüber)
- Mit dem Gefühl, versagt zu haben
- Mit einer Familie, die frustriert ist (und das zurecht)
Und das Schlimmste: Du kannst mit niemandem darüber reden.
Deiner Familie erzählst du’s nicht. Die sind schon enttäuscht genug. Und sie haben dich gewarnt: „Wie kannst du auf sowas reinfallen?“
Deinen Freunden erzählst du’s nicht. Die denken: „Der hat halt große Töne gespuckt und nicht durchgezogen. Der wollte’s wohl doch nicht genug.“
In der Community erzählst du’s nicht. Alle anderen posten Screenshots von ihren „ersten 5k-Monaten“ (die oft auch fake oder aufgeblasen sind).
Das Ergebnis:
Du sitzt alleine da mit deinem Scheitern. Mit deinen Schulden. Mit deinem schlechten Gewissen.
Doppelte Isolation: Finanziell gescheitert UND sozial alleine.
Und weißt du, was das Perfide ist?
Die Programme sind so gut vermarktet, dass DU wie der Dumme dastehst. Nicht das Programm. Nicht der Coach. Nicht das System.
Der Coach hat Videos mit Erfolgs-Testimonials und Luxus-Lifestyle. Du hast ein leeres Konto und das Gefühl, versagt zu haben.
Der Rechtfertigungszwang: „Ich muss nur noch…“ (Die Sunk Cost Falle)
Und dann passiert das Dümmste oder das Menschlichste, je nachdem, wie du es sieht:
Du kannst das Scheitern nicht akzeptieren. Denn du hast ja so viel investiert. Zeit. Geld. Hoffnung.
Also denkst du:
„Ich muss nur noch ein bisschen mehr lernen.“
„Vielleicht war das Programm nicht das richtige – aber DIESES hier wird’s bringen.“
„Ich kann jetzt nicht aufhören, ich hab doch schon so viel reingesteckt.“
Das nennt man Sunk Cost Fallacy.
Du wirfst gutes Geld dem schlechten hinterher. Nicht, weil es rational ist, sondern weil du das bisherige Investment rechtfertigen willst.
Und die Coaching-Industrie lebt davon.
Denn du kaufst das nächste Programm. Für weitere 3.000€. Oder 5.000€. Weil du ja „schon so weit gekommen“ bist.
Das ist kein Commitment. Das ist finanzielle Selbstzerstörung.
Und niemand in der Branche wird dir sagen: „Hey, vielleicht ist Online-Business einfach nichts für dich. Vielleicht solltest du aufhören.“
Warum auch? Du bist der perfekte Kunde.
Mehr dazu in meinem Beitrag „Nach 4 Jahren Online-Business: Warum ich 3 Jahre lang die bequeme Lüge geglaubt habe.“
Was stattdessen stimmt (und wie du wirklich Ziele erreichst)
Okay, genug gemeckert. Was ist die Alternative?
Die Formel: Wollen × Können × Dürfen = Erfolg
Wollen = Motivation, Ziel, Leidenschaft
Können = Skills, Zeit, Ressourcen, Gesundheit
Dürfen = Markt-Timing, Chancen, Startbedingungen
Alle drei müssen stimmen. Fehlt eine Variable, wird’s schwer. Und das ist okay.
Manchmal kannst du das „Können“ trainieren (z.B. Fähigkeiten lernen, Zeit freischaufeln).
Manchmal kannst du das „Dürfen“ erkämpfen (z.B. Netzwerke aufbauen, Nische finden).
Aber manchmal? Manchmal ist die Antwort auch: „Nicht jetzt. Nicht so. Nicht in diesem Markt.“
Realistische Selbständigkeit: Was wirklich funktioniert
Hier ein paar unbequeme Wahrheiten, die dir kein Coach in seinem Sales-Webinar erzählt:
✅ Starte nebenberuflich, nicht mit 10k Investment und Vollzeit-Sprung.
✅ Teste klein, bevor du 5.000€ in ein Programm steckst, investiere 500€ in Ads und schau, ob überhaupt Interesse da ist.
✅ Rechne realistisch. Die meisten Online-Businesses brauchen 12-24 Monate, bis sie profitabel sind. Nicht sechs Wochen.
✅ Hol dir Rat von Leuten, die gescheitert sind, nicht nur von denen, die „erfolgreich“ sind (und dir was verkaufen wollen).
Und ganz wichtig: Es ist okay, NEIN zu sagen.
Nein zu Programmen, die du dir nicht leisten kannst.
Nein zu Coaches, die dir Schuldgefühle machen.
Nein zu einem Business-Modell, das einfach nicht zu deinem Leben passt.
Wann der Satz einen wahren Kern hat (ja, wirklich)
Okay, Fairness: Der Satz ist nicht komplett Bullshit.
Er stimmt, wenn:
- Die Rahmenbedingungen passen (Zeit, Geld, Markt-Timing)
- Das Ziel realistisch ist (nein, du wirst nicht in sechs Wochen 10k/Monat verdienen)
- Du die Ressourcen hast, um durchzuhalten (finanziell, mental, zeitlich)
Beispiel: Du willst lernen, bessere Texte zu schreiben? Klar, mit Übung und Feedback schaffst du das.
Aber mit einem 5k-Copywriting-Kurs in acht Wochen zum sechsstelligen Business? Sorry, das ist Marketing-Bullshit.
Der Unterschied: Realistische Ziele vs. toxische, unrealistische Erfolgsversprechen.
Fazit: Zwischen Resignation und Realismus
„Wenn du willst, kannst du alles erreichen“ ist eine Lüge, aber die Wahrheit ist auch nicht: „Du kannst sowieso nichts ändern.“
Die Wahrheit liegt dazwischen:
✅ Dein Wille ist wichtig, aber nicht allmächtig.
✅ Viele Dinge kannst du beeinflussen, aber nicht alle.
✅ Scheitern bedeutet nicht, dass du nicht genug wolltest. Es bedeutet, dass Wollen allein nicht reicht.
✅ 5.000€ für ein Programm sind nicht „in dich investieren“, sondern ein finanzielles Risiko, das du dir leisten können musst.
Und weißt du was? Das ist befreiend. Weil es dich rausholt aus der Selbstgeißelung und reinholt in echte, nachhaltige Veränderung.
Also: Hör auf, dir einzureden, du wärst schuld, wenn’s nicht klappt. Und hör auf, Coaches zu glauben, die dir erzählen, du müsstest nur „mehr wollen“ oder „dich mehr committen“.
Du bist nicht das Problem. Oft ist das System das Problem. Der Markt. Das Timing. Die fehlenden Ressourcen.
Und manchmal ist die Antwort auch einfach: Noch nicht. Aber vielleicht später. Auf einem anderen Weg.
📖 Realtalk ohne Filter?
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FAQ – Häufig gestellte Fragen
1. Stimmt die Aussage „Wenn du willst, kannst du alles erreichen“?
Kurz: Nein. Wollen ist wichtig, aber ohne Ressourcen, Skills und Markt-Timing bleibt’s Theorie. Der Satz verschweigt Rahmenbedingungen.
2. Warum ist der Spruch in Coachings toxisch?
Weil er Misserfolg dir zuschiebt („nicht committed genug“) und strukturelle Hürden ignoriert. Perfekt fürs Marketing, fatal für mentale Gesundheit.
3. Was braucht es außer Wollen wirklich?
Wollen × Können × Dürfen. Also: Zeit/Geld/Skills, realistische Nische + Timing und tragfähige Strategie. Fehlt eine Variable, kippt das Ergebnis.
4. Woran erkenne ich toxische Programme?
Unrealistische Versprechen („6-stellig in 6 Wochen“), Schuldumkehr, künstlicher Kaufdruck, keine Klarheit zu echten Kosten (Kurse, Tools, Ads).
5. Wie gehe ich stattdessen vor?
Nebenberuflich starten, klein testen (Proof of Demand), Kosten deckeln, Lernkurve planen, klare Exit-Kriterien. Realistisch statt „alles erreichen wenn man will“-Fantasie.
